Ich war skeptisch, als Ende August schon die winterlichen Leckereien in den Läden standen. Ich war skeptisch über Geschichten über Kauflaune und gleichzeitiger Flaute am Binnenmarkt. Argwöhnisch kämpfte ich mich auch während der letzten Tage durch Menschen im Rausch des Geldausgebens. Freudig ob der gefundenen oder panisch ob der händeringend gesuchten Geschenke, bewegte sich eine Nation durch den Einzelhandel und vollbrachte einen Durchmarsch in den Kassen.
Argwöhnisch war ich aber auch wegen der Berichte, daß vielerorts Weihnachten in öffentlichem Umfeld gar keinen Platz mehr finden soll. Kindergärten und Schulen, an denen plötzlich der Weihnachtsmann keinen Einzug mehr halten darf, verwundern selbst im Einzelfall. Die Ursachen sind klar. In einer so genannten aufgeklärten Welt, in der man Religionen keine große Bedeutung mehr beimisst, durchdrungen von der Idee der freien Religionswahl, will niemand mehr durch die Praxis klassischer Rituale auffallen, und so werden diese, so wie ihre Zeichen und Symbole, verpönt und aus der Wahrnehmung verdrängt. Man limitiert sich selbst in der Religionsfreiheit, um seine eigene Religion niemandem aufzwingen zu wollen. Wo bleibt das gleiche Recht für alle, in einer Welt der freien Wahl von Symbolik, Praxis und Gewohnheiten?
Ich bin, wie viele, immer jemand gewesen, der Weihnachten eher mit Geschenken, Süßkram und einem Haufen Gedöns verband. Auch fehlt mir in Ermangelung eines „starken Glaubens“ so ein bisschen das Gespür für das Christliche an diesem Fest, mit Nächstenliebe, nicht zuletzt aufgrund eines mangelnden „Glaubens an den Menschen“ in Ermangelung von „Hoffnung“. Ich gehe nicht zur Christmesse und ich bin des Weiteren kein unbedingter Fan allzu überzogen kitschiger Dekoration.
Aber ich zweifle nicht an der Idee!
Als mir klar wurde, daß wir uns auf dem Weg befinden, schon so etwas wie Weihnachten und seinen christlichen Hintergrund zu opfern, bemerkte ich erst, wie viel so eine Konvention überhaupt wert ist. Denn was mich neben dem Konsumrausch noch am meisten nervt, ist der Choral von Kritikern, die Weihnachten als Fest genau mit diesem Stigma für Nichtig erklären wollen. Aufgrund der zunehmenden Bedeutungslosigkeit des christlichen Glaubens und wegen der Ansicht, der Konsums wäre ein Surrogat für den schwindenden Glauben, wäre eine Abschaffung der Gebräuche gerechtfertigt. Letztlich ist aber jedes Fest mit Geschenken und Präsenten ein Konsumfest. Wer gibt denn nicht im Jahr zumindest ein bisschen Geld für Ostern, Fasching, Silvester oder vielleicht den Valentinstag aus, neben den Ausgaben für ein paar Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie?
Es ist nicht der Konsum der an Weihnachten gefeiert wird. Man feiert sich gegenseitig, die Angehörigen und ein bisschen sich selbst. Man hängt am Heiligen Abend ja auch nicht im Kaufhaus herum, sondern sitzt mit seinen Lieben um den Baum gruppiert oder am Tisch zum Essen versammelt und betreibt Konversation. Die Geschenke sind halt das Beiwerk, wenn man bei seiner Familie aufkreuzt und insbesondere den Kleineren eine Freude machen möchte. Weihnachtsgeschenke prägen, so wie die gemeinsame Festivität prägt. Selbst wenn man diesem Idyll nicht folgt, hat jeder das Weihnachtsfest immerhin so weit internalisiert, daß man sogar ohne das Brimborium eines macht: Man denkt nach. Und nicht zuletzt denkt man an die Leute, die um den Tisch sitzen würden oder könnten.
Und wenn es nicht das Fest Konsums ist, dann bleibt von der Bedeutung des Weihnachtsfestes noch das übrig, was die Zeit wertvoll macht, jedoch, obwohl es oftmals so genannt wird, gerne vergessen wird: Die Zeit der Besinnlichkeit.
Ob die Geschenke mittlerweile zum Selbstzweck werden oder nicht, sie sind auf keinen Fall ein Grund, Weihnachten nicht mehr zu feiern und sich in dieser Zeit nicht mehr zu „besinnen“! Das Fest der Liebe, der Besinnung und eine ganz tolle Gelegenheit für Familientreffen mit gemeinsamer Mahlzeit. Ob nun die Geschenke für die gesamte Familie unter dem Baum mehrfach geschichtet werden oder man feierlich bei Kerzenschein und fröhlicher Musik alleine einen Christstollen verputzt, Weihnachten und insbesondere seine Idee soll bewahrt bleiben.
Allen Lesern dieser Zeilen ein frohes Weihnachtsfest!