Do 14 Dez 2006
Zeitreisen
Geschrieben von Plauderei unter Gedöns
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Die Vorstellung des modernen Menschen, durch die Zeit zu reisen, ist eine Wunschvorstellung, derer man sich gerne hingibt. Zwischen Ideen von der Erforschung längst vergangener Zeiten, der Erkundung untergegangener Epochen und der Vorstellung, sich in diesen Phasen der Menschheitsgeschichte einmal selbst zu versuchen, pendelt die Begeisterung des phantasievollen Menschen. Es beflügelt den interessierten Geist, die Vergangenheit in ihrer Entstehung bestaunen zu können, aber auch gegebenenfalls die Zukunft zu bereisen, um sehen zu können, wo für die Menschheit, und vielleicht sogar für einen selbst, die Reise im Strudel der Geschichte hingeht.
In Filmen, die sich mit der Möglichkeit der Erreichbarkeit und Veränderbarkeit von Zeit beschäftigen, kommt oftmals das Motiv zum Einsatz, dass jemand aus der Gegenwart in die Vergangenheit reist, um sich selbst auf irgendeine Art und Weise unter die Arme zu greifen. (Oder auch aus der Zukunft in die Gegenwart, wie auch immer, die Reise geht immer zurück von der Phase der erzählten Zeit) Dabei ist zentral, daß die ausführende Person durch zu verändernde Geschehnisse in der Vergangenheit, die eigene Gegenwart ins Positive zu verschieben gedenkt, weil man, und das ist der gedachte Hintergrund dabei, retrospektiv augenscheinlich immer klüger ist, als man es im aktuellen Moment in der Vergangenheit sein könnte.
Blickt man zurück, gibt es sicherlich Momente im Leben, wo man sich gerne anders entschieden hätte, wo man etwas gerne anders gedacht, getickt hätte oder einfach in einer anderen Situation gewesen wäre. Man geht in sich und realisiert die Schatten der eigenen Vergangenheit, derer man sich schamhaft entledigen möchte oder wo man hätte mehr für sich rausholen können. Das Ideal, sich „hinterher“ um seine eigene Vergangenheit zu kümmern und somit seine eigene Gegenwart aufzupolieren, zumeist gemessen in monetären Einheiten, bricht sich jedoch immer wieder selbst. Im Endeffekt könnte man sich immer wieder aufs Neue um sich selbst kümmern, könnte die Realisierung der eigenen Defizite vorweg nehmen. Letztendlich würde man ja doch immer wieder zurückgehen, um einen Schritt mehr zu nehmen, hin zur Verbesserung der eigenen Lebensumstände.
Beunruhigend daran ist, was mir wohl in den Sinn kommen würde, wenn ich mich selbst sehe? Als Kind kriegt man bloß einen Schrecken, aber erst mit höherem Alter wird einem diese Tragweite ja wirklich bewusst. Sagen wir – 30 Jahre älter, weiser als heute (oder auch nicht) mit einer weit längeren Vergangenheit, als es die bisherige hergibt. Würde ich ohnmächtig werden? Würde ich tot umfallen? Beides wäre sicherlich sehr schade, weil ich dann nicht mehr erfahren könnte, was ich mir selbst zu sagen hätte, wobei tot umzufallen recht risikobehaftet wäre für das 30 Jahre ältere Ego, was sich dann ebenso schlagartig in Wohlgefallen auflösen würde. Nehmen wir also mal an, man würde mit erhöhtem Puls einfach wegstecken, dass man von sich selbst Besuch bekommt; um welchen Moment mag es sich handeln, in dem so etwas geschieht? Dürfte wohl der Hit sein, sich selbst beim Kacken vorzufinden und ein kleines Palaver über die Zukunft zu beginnen. Zentraler allerdings ist ja der Aspekt, um welche Entscheidung es sich handelt, um deren Ergreifungen man sich selbst ersuchen möchte. Indes gehen Chancen ja auch unerkannt an einem vorbei, für die man sich problemlos auch entscheiden könnte.
Da ich mich bis heute noch nicht selbst besucht habe, lässt sich wohl folgern, daß ich entweder die Zeit einer solch glorreichen Erfindung nicht mehr erleben werde oder daß schlicht und einfach mein eigenes Leben so arm an echten und nicht genutzten (!) Scheidewegen ist, sich absolut nichts ändern würde, selbst wenn ich mir einen Besuch abstatten könnte. Die schönere Kombination jedoch wäre, wenn die Zukunft eine ist, mit der ich absolut zufrieden bin, in Einklang mit einem Verlauf, in dem ich alles richtig gemacht habe.
Hätte ich so viel gutzumachen in der Vergangenheit, oder in der intendierten Zukunft?
Ich weiß es jetzt nicht, und weiß es nicht für die nächsten geschätzten 30 Jahre. Bin ich glücklich?
Ich hoffe doch mal!
Die Idee dahinter ist ja eigentlich folgende: Aufgrund der Tatsache, dass wir an Wegesgabelungen unsere eigene Zukunft antizipieren, also die zukünftigen Konsequenzen der Entscheidungen schon abwägen, gelangen wir überhaupt erst zu einer Entscheidungsfindung. Man verortet sich selbst in der Erwartung der Entscheidung. Man entscheidet ja genau aus dem Grund, um sich hinterher auch mit der Wahl zufrieden zu sein. Vielleicht ist deswegen sogar die Möglichkeit obsolet, uns selbst in der Vergangenheit aufzusuchen und bei Lösungen anders zu beraten. Zwar ist man über vereinzelte Entscheidungen im Nachhinein nicht gänzlich zufrieden, aber wie das Leben weitergelaufen wäre, hätte man sich eben anders entschieden, will man ja eigentlich gar nicht wirklich wissen. Immerhin wäre man in dem Moment ja bis zu dem Punkt gekommen, an dem man sich entscheiden könnte, ob man sich selbst in der Vergangenheit hilft oder eben das Leben so laufen lässt, wie man es retrospektiv für hinreichend wertvoll erachtet, bis zu dem Punkt eben dieser Entscheidung gelebt zu werden.
Niemand schaut in eine Glaskugel und sieht seine Zukunft, natürlich nicht. Niemand weiß, was die Zukunft bringt, man kann sich nur bemühen, die individuelle Vergangenheit und die individuelle Gegenwart in der Zukunft weiterzuführen und die Entscheidungen so zu bewerkstelligen, dass die Zukunft in die eigens erkorene Richtung weist. Und vielleicht ist genau das die Lösung. Daß man für sich selbst den Weg des Machbaren wählt, des Gesuchten. Ob es ein Sinn ist, nach dem man fahndet, oder ein höheres Ziel, oder ob man einem Ideal nacheifert. Das Ziel ist nicht wirklich das Ankommen an einem Punkt, sondern das Beschreiten eines Pfades von Entscheidungen, aus denen das Leben besteht.
Mit Blick zurück zum dramaturgischen Konstrukt des Filmes, ist auffällig, daß jegliche Erzählung einer solchen Story per se schon Irrsinn ist, da es durch den Eingriff aus der Zukunft schon zum normalen und nicht optimierten Geschichtsverlauf, der allerdings dramaturgisch notwendig scheint, gar nicht erst kommen dürfte, da der Eingriff aus der Zukunft ja schon vordefiniert ist. Die Tat in der Zukunft, dem Ego aus der Gegenwart zu helfen, ermöglicht ja schon vorne herein keinen anderen Geschichtsverlauf. „Zurück in die Zukunft 2“ und “Timecop” seien diese Vergehen allerdings zwecks der Unterhaltsamkeit entschuldigt.
Irgendwie paradox, aber lustig.
Also was sagt uns dies über uns selbst? Letztlich bringt es uns zu dem alten Sprichwort, daß wir alle unseres eigenen Glückes Schmied sind; nicht durch die Sinnsuche im Gestern und nicht im Morgen, sondern im JETZT.
Und hinterher ist man immer schlauer.
Wobei wir allerdings schon die erste Niederlage eingefahren haben, ist etwas ganz flauschiges, und zwar das Maskottchen zur hiesigen WM. Hat der Hersteller nicht zuletzt auch noch Insolvenz beantragt, da er den Umsatzeinbruch von dem dummen Löwen nicht mehr stemmen konnte, muß man sich das Teil einfach nur mal anschauen, um ganz genau zu wissen, daß das ganze Ding, genauso wie der sprechende Ball, schlicht und einfach für die Füße ist. Allein der Anblick ist schon so schädlich, wie die in dem fluffigen König der Tiere verarbeiteten, gesundheitsbeeinträchtigenden Substanzen.


