Aus der Weichnachtsgeschichte (A Christmas Carol, 1843) von Charles Dickens ist der Ausdruck des weihnachtlichen Humbugs landläufug bekannt. Diesen Zusammenhang wirft Ebenezer Scrooge jedem an den Kopf, der ihm zur weihnachtliche Zeit festliche Grüße zukommen lässt.

‘A merry Christmas, uncle! God save you!’ cried a cheerful voice. It was the voice of Scrooge’s nephew, who came upon him so quickly that this was the first intimation he had of his approach.

‘Bah!’ said Scrooge, ‘Humbug!’

He had so heated himself with rapid walking in the fog and frost, this nephew of Scrooge’s, that he was all in a glow;his face was ruddy and handsome; his eyes sparkled, and his breath smoked again. ‘Christmas a humbug, uncle!’ said Scrooge’s nephew. ‘You don’t mean that, I am sure?’

‘I do,’ said Scrooge. ‘Merry Christmas! What right have you to be merry? What reason have you to be merry?

Was also ist ein Humbug? Ein Humbug fügt sich in die Wortgruppe von ‘Schwachsinn’, ‘Blödsinn’ und ‘Idiotie’ ein und definiert damit etwas, was auf den näheren Blick keinen Sinn ergibt, oder als Absonderlichkeit von Personen schwachen Geistes stammt. Dass Ebenezer gerade als einziger etwas gegen den weihnachtlichen Geist einzuwenden hat, würde allenfalls die Vermutung rechtfertigen, er begreife als der eigentliche Sonderling das Fest nicht.

Doch gerade dem Begriff ‘Humbug’ wird man mit dieser Definition nicht gerecht. Scrooge vertritt die Ansicht, dass die Idee von Weihnachten eine geheuchelte ist. Die Freundlichkeit untereinander auf den Straßen, Dinge wie Spendenbereitschaft und gemeinschaftliches Speisen zeigen nur eine oberflächliche Freundlichkeit, die den grauen und egoistischen Alltag nur überdecken soll. Einher geht die Überzeugung, alle würden dieser Lüge aufsitzen und vor dieser Wahrheit blind sein. Des Weiteren ist sich die Figur Scrooge sicher, alle Freundlichkeit und Gemeinschaftlichkeit, alles was zu Weihnachten zelebriert wird, führe letztlich nur dazu, dass man an seines Geldes bemächtigen möchte. Der Begriff wird also hier genutzt als eine subjektive Wahrnehmung, die entgegen der Realität aufgebaut ist.

Die Läuterung, die Scrooge durch die drei Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht erlebt, zeigt jedoch, dass die weihnachtliche Idee eben keine gierige ist. Viel wichtiger ist es, an die eigene Existenz im Gefüge bestehender Freundschaften zu glauben. Diese Klarheit erfährt Scrooge insbesondere in der erneuerten Erinnerung, dass er aufgrund seiner eigenen Gier, die er nicht mal für seine Liebe in jungen Jahren aufgeben konnte, nie ein erfülltes Leben führte. Beides schloss sich gegenseitig aus. Andererseits betet sein Buchhalter Bob Cratchit, der unter Scrooges Geiz leidet und trotz treuer Dienste mit seiner Familie kaum um die Runden kommt, für Scrooges Gesundheit, da er ihm trotz allem Kummer dankbar für das geringe Gehalt ist.

Bei alle dem geht es nicht um die Menge an Geld. Es geht um Treue. Es geht um Hingebung und es geht darum, sein Leben im auch Alltag, abseits von Weihnachten, in einer stabilen Balance zu halten. So erfährt Scrooge, dass er in seiner Familie die Rolle des verschrobenen Onkels hat, der sich von seiner Gier vereinnahmt von der Welt abkapselt.

Scrooge befürchtet genau genommen, dass sich Weihnachten eben nur um Geld dreht. Und das ist auch die Mahnung, die uns diese klassische Geschichte auf den Weg gibt. Scrooge ist die zweifelnde Figur, anhand derer der eigentliche Sinn von Weihnachten erklärt wird. Moralisch gesehen endet die Geschichte mit der Erkenntnis, dass man die Bedeutung, die man für andere hat, immer auch selbst beeinflussen kann – und dafür braucht es gar nicht viel.

Übertragen auf unser Weihnachtsfest, das wir allzu willig mit einem Fest des Konsums gleich- und es in seiner Bedeutung damit auch herabsetzen, sollten wir uns an der eigenen Nase fassen. Wir haben die Kraft, aus dem weihnachtlichen Fest keinen oberflächlichen Humbug werden zu lassen. Freilich sind Geschenke und Konsum ein oberflächlicher Faktor mit einer zweckhaften Komponente. Dabei freut man sich über die dahinter stehenden Ideen weit mehr. Das Konzept des Schenkens ist eine Verdinglichung des Gedankens an jemanden in Form eines persönlichen Präsentes. Und die Liebe, die man schenkt, kriegt man in der einen oder anderen Form auch wieder zurück.

Obgleich der Neigung, Weihnachten als Festivität des Konsums und der Dekoration zu werten, erfüllt die festliche Zeit doch einen Zweck des gemeinsamen Gedenkens an alle die uns wichtig sind.
Und das ist die weihnachtliche Idee.

In diesem Sinne…

Fröhliche Weihnachten!